Einleitung: Der gefährlichste Holzschädling im Gebäude
Der echte Hausschwamm (Serpula lacrymans) gilt als der gefährlichste holzzerstörende Pilz in Gebäuden. Er befällt nicht nur Holzbauteile wie Balken und Dachstühle, sondern kann sogar Mauerwerk durchwachsen und sich über große Flächen ausbreiten. Für Immobilienkäufer ist ein Befall mit echtem Hausschwamm ein Albtraum: Die Sanierung ist aufwendig, teuer und gesetzlich streng geregelt.
In diesem Artikel erkläre ich, wie sich ein Hausschwamm-Befall erkennen lässt, welche rechtlichen Melde- und Sanierungspflichten bestehen, welche bauphysikalischen Ursachen typisch sind und wie eine fachgerechte Sanierung nach den geltenden Normen erfolgt. Grundlage sind u. a. die DIN 68800 (Holzschutz), die WTA-Merkblätter und die Musterbauordnung (MBO).
Was ist der echte Hausschwamm?
- Wissenschaftlicher Name: Serpula lacrymans
- Befällt vorrangig Nadelholz, kann aber auch andere organische Materialien zerstören
- Typisch: Fähigkeit, Mauerwerk zu durchwachsen und über mehrere Meter Feuchtigkeit zu transportieren
- Verbreitet in feuchten, schlecht belüfteten Gebäudeteilen (Keller, Dachstuhl, Fachwerkhäuser)
Erkennungsmerkmale des echten Hausschwamms
1. Sichtbare Merkmale
- Baumwollartige, watteähnliche Myzelstränge
- Dicke, strangförmige Ausläufer (können mehrere Meter lang sein)
- Rostbraune Fruchtkörper mit weißem Rand und typischem „Tröpfeln“ (daher der Name „lacrymans“)
2. Holzzerstörung
- Würfelförmige Risse im Holz (typisch für Braunfäule)
- Holz verliert Festigkeit und zerbröselt
3. Geruch
- Muffig, pilzartig
4. Versteckter Befall
- Hausschwamm wächst oft hinter Verkleidungen, unter Dielen oder im Mauerwerk – bleibt lange unentdeckt
Ursachen für Hausschwamm-Befall
Der Pilz benötigt Feuchtigkeit, Holz und schlechte Belüftung, um sich zu entwickeln.
- Bauwerksfeuchte durch undichte Dächer, defekte Leitungen oder aufsteigende Feuchte
- Falsche Sanierungen, die Feuchtigkeit einschließen
- Schlechte Belüftung von Kellern oder Dachräumen
- Verwendung von nicht ausreichend trockenem Holz im Bau
Rechtliche Pflichten bei Hausschwamm
Der echte Hausschwamm wird in Deutschland bauordnungsrechtlich besonders eingestuft:
- Nach Musterbauordnung (MBO) gilt er als anzeigepflichtiger Holzschädling
- Eigentümer sind verpflichtet, einen Befall der zuständigen Bauaufsichtsbehörde zu melden
- Sanierungen dürfen nur durch Fachunternehmen mit nachweislicher Sachkunde durchgeführt werden
- Gutachterliche Begleitung ist empfohlen und oft erforderlich
Für Immobilienkäufer bedeutet dies: Wird Hausschwamm nach dem Kauf entdeckt, kann dies rechtliche Auseinandersetzungen zur Folge haben, etwa wegen arglistig verschwiegener Mängel.
Sanierung von Hausschwamm
Die Sanierung ist aufwendig und muss nach DIN 68800-4 und den WTA-Merkblättern erfolgen.
1. Ursachenbeseitigung
- Feuchtigkeit abstellen (Abdichtung, Dachsanierung, Leitungsreparatur)
- Verbesserung der Belüftung
2. Bekämpfung des Pilzes
- Großzügiges Entfernen befallener Holzbauteile (mindestens 1 m über sichtbaren Befall hinaus)
- Abtragen von durchwachsenem Mauerwerk (bis 1,5 m über Befallsgrenze)
- Abflammen von Oberflächen zur Abtötung von Myzelien
3. Chemische Maßnahmen
- Einsatz von zugelassenen Holzschutzmitteln im betroffenen Bereich
- Behandlung angrenzender Bauteile als vorbeugende Maßnahme
4. Konstruktive Maßnahmen
- Austausch geschädigter Bauteile
- Verwendung resistenter Holzarten oder Holz mit vorbeugendem chemischen Schutz
Praxisbeispiele
In einem Altbau wurde im Keller ein massiver Hausschwamm-Befall festgestellt. Die Myzelstränge hatten bereits das Mauerwerk durchwachsen und mehrere Holzbalken zerstört. Erst nach dem großflächigen Rückbau, der Abdichtung des Kellers und einer kombinierten chemischen Behandlung konnte das Gebäude saniert werden.
In einem Fachwerkhaus zeigte sich Hausschwamm im Dachstuhl. Ursache war ein undichtes Dach, das über Jahre Feuchtigkeit eindringen ließ. Hier mussten tragende Balken vollständig ersetzt werden.
Fazit: Hausschwamm ist ein ernstzunehmender Gebäudeschädling
Der echte Hausschwamm ist einer der gefährlichsten Holzschädlinge im Bauwesen. Er breitet sich unbemerkt aus, zerstört Holz und sogar Mauerwerk und verursacht enorme Sanierungskosten. Wer Hausschwamm in seiner Immobilie entdeckt, muss sofort handeln und eine fachgerechte Sanierung einleiten. Für Hauskäufer gilt: Vor Vertragsabschluss unbedingt eine gründliche Bauwerksdiagnostik durchführen lassen.
Kontakt & Beratung
Haben Sie den Verdacht auf Hausschwamm oder benötigen Sie eine unabhängige Einschätzung? Ich unterstütze Sie mit einer fundierten Diagnose und einem Sanierungskonzept nach geltenden Normen.
Sachverständigenbüro Charles Knepper
Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger
Kirchweg 4
06295 Lutherstadt Eisleben
Telefon: 03475-6129942
Mobil: 0177-4007130
Fax: 03475-6129943
E-Mail: gutachter-knepper@online.de
Quellen & weiterführende Literatur
- DIN 68800-4: Holzschutz – Bekämpfungs- und Sanierungsmaßnahmen
- WTA-Merkblätter: Sanierung bei echtem Hausschwamm
- Musterbauordnung (MBO): Regelungen zu anzeigepflichtigen Holzschädlingen
- Umweltbundesamt (UBA): Leitfäden zu Holzschutz und Schimmel
- Fachliteratur zum Holzschutz und Bauwerksdiagnostik
