Altlasten in Innenräumen – Asbest, PCB, PAK: Verborgene Schadstoffe in älteren Gebäuden

Einleitung: Die unsichtbare Gefahr in Gebäuden

Viele ältere Gebäude bergen unsichtbare Risiken: Schadstoffe in Baustoffen und Ausstattungen, die heute längst verboten sind, aber in den 1950er bis 1980er Jahren weit verbreitet waren. Dazu gehören vor allem Asbest, PCB (Polychlorierte Biphenyle) und PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe). Für Hauskäufer, Bauherren und Sanierer stellen sie ein erhebliches Gesundheits- und Kostenrisiko dar.

In meiner Praxis als Sachverständiger stoße ich regelmäßig auf verdeckte Schadstoffe, die erst im Rahmen einer Bauwerksdiagnostik oder Schadstoffmessung entdeckt werden. In diesem Artikel erläutere ich, wo diese Stoffe vorkommen, welche Gesundheitsgefahren bestehen, wie man sie nachweist und welche Sanierungsstrategien erforderlich sind. Grundlage sind u. a. die TRGS 519 (Asbest), TRGS 524 (Sanierungsarbeiten), die UBA-Leitfäden sowie meine langjährige Erfahrung.


Asbest – der Klassiker unter den Altlasten

Eigenschaften und Einsatz

  • Asbestfasern sind hitzebeständig, chemisch stabil und sehr langlebig
  • Verwendung in Deutschland bis 1993 in über 3.000 Produkten
  • Typische Einsatzgebiete:
    • Asbestzementplatten (Dach, Fassade)
    • Vinyl-Asbest-Bodenplatten (Floor-Flex)
    • Spritzasbest an Decken und Stahlträgern
    • Dichtungen, Putze und Spachtelmassen

Gesundheitsgefahren

  • Asbestfasern sind lungengängig und verursachen Asbestose, Lungenkrebs und Mesotheliome
  • Bereits geringe Faserbelastungen können gefährlich sein

Rechtliche Vorgaben

  • Umgang mit Asbest ist streng geregelt durch TRGS 519
  • Abbruch- und Sanierungsarbeiten nur durch zugelassene Fachbetriebe

PCB – Polychlorierte Biphenyle

Eigenschaften und Einsatz

  • PCB sind langlebige, fettlösliche Chemikalien
  • Verwendung v. a. zwischen 1960 und 1977
  • Typische Einsatzgebiete:
    • Fugendichtmassen (besonders in Schulen und öffentlichen Gebäuden)
    • Kondensatoren und Transformatoren
    • Anstriche, Lacke und Kunststoffe

Gesundheitsgefahren

  • PCB wirken krebserzeugend und hormonverändernd
  • Sie reichern sich im menschlichen Fettgewebe an

Nachweis und Sanierung

  • Luft- und Materialproben
  • Sanierung durch Entfernung kontaminierter Materialien
  • Arbeiten nach TRGS 524

PAK – Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe

Eigenschaften und Einsatz

  • Entstehen bei unvollständiger Verbrennung
  • Verwendung v. a. in Teerprodukten (Teerkleber, Teerpappen)
  • Typische Einsatzgebiete:
    • Bodenbelagskleber unter Parkett oder PVC
    • Abdichtungsbahnen
    • Asphaltböden

Gesundheitsgefahren

  • PAK enthalten krebserzeugende Substanzen (z. B. Benzo[a]pyren)
  • Aufnahme über Hautkontakt, Einatmen oder Verschlucken von Staub

Nachweis und Sanierung

  • Materialproben im Labor
  • Sanierung durch Ausbau und Entsorgung kontaminierter Materialien
  • Einsatz von Ersatzklebern und schadstoffarmen Baustoffen

Diagnostik von Schadstoffen in Gebäuden

Die Erkennung von Altlasten ist für Laien kaum möglich. Typische Verfahren:

  • Materialproben: Untersuchung von Klebern, Dichtmassen, Putzen
  • Raumluftmessungen: Nachweis von Asbestfasern, PCB-Ausgasungen, PAK-Staub
  • Staubproben: Analyse auf Schadstoffbelastungen
  • Gutachten: Dokumentation nach DIN EN ISO/IEC 17025 (akkreditierte Labore)

Sanierungsstrategien

Die Sanierung von Schadstoffen ist komplex und muss stets von Fachfirmen durchgeführt werden.

1. Asbest

  • Abbruch nach TRGS 519
  • Vollständige Abschottung der Baustelle, Unterdruckhaltung
  • Schutzanzüge, Atemschutz, fachgerechte Entsorgung

2. PCB

  • Entfernung belasteter Fugendichtmassen
  • Austausch kontaminierter Bauteile
  • Lufttechnische Maßnahmen während der Arbeiten

3. PAK

  • Ausbau PAK-haltiger Kleber und Abdichtungen
  • Absaugung von Stäuben
  • Ersatz durch schadstofffreie Produkte

Praxisbeispiele

In einer Eigentumswohnung fanden wir Floor-Flex-Platten mit Asbestanteilen. Der Käufer war nicht informiert, die Entfernung verursachte hohe Sanierungskosten. Ein anderes Beispiel: Eine Schule aus den 1970er Jahren wies stark PCB-belastete Fugenmassen auf. Erst nach einer umfassenden Sanierung konnten die Räume wieder genutzt werden.


Fazit: Schadstoffe frühzeitig erkennen und sicher sanieren

Altlasten wie Asbest, PCB und PAK stellen ernste Risiken dar – sowohl für die Gesundheit als auch für den Wert einer Immobilie. Beim Immobilienkauf oder bei Sanierungen ist es daher unerlässlich, eine fachgerechte Schadstoffdiagnostik durchzuführen und Sanierungen ausschließlich durch zertifizierte Fachfirmen durchführen zu lassen.


Kontakt & Beratung

Vermuten Sie Schadstoffe in Ihrem Gebäude oder möchten Sie vor einer Sanierung Gewissheit haben? Ich unterstütze Sie mit professioneller Schadstoffdiagnostik und begleite die fachgerechte Sanierung.

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Sachverständigenbüro Charles Knepper
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Quellen & weiterführende Literatur

  • TRGS 519: Asbest – Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten
  • TRGS 524: Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen
  • Umweltbundesamt (UBA): Leitfäden zu Schadstoffen in Innenräumen
  • DIN EN ISO/IEC 17025: Anforderungen an Prüf- und Kalibrierlaboratorien
  • Fachliteratur zur Schadstoffdiagnostik und Gebäudesanierung

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